Franz Forel

8.4.1911 – 16.7.1972
geb. in Wien, Österreich gest. in Stalybridge, Vereinigtes Königreich

Ehrungen

Ehrung Titel Datierung Fakultät
Denkmal „Vertriebene Historiker*innen“ 2022 Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät

Franz FOREL, geb. am 8. April 1911 in Wien (heimatberechtigt in Wien, Staatsbürgerschaft: Österreich), Sohn von Abraham Forel (Gewerbetreibender, 1875–1942) und Hermina (geb. Grüngold, 1868–1944), wohnte in Wien 14, Nobilegasse 50. Er hatte nach der Reifeprüfung (Matura) bereits einige Semester an der Universität Wien Medizin studiert bevor er ab Sommersemester 1935 begann an der Philosophischen Fakultät Germanistik, Anglistik und Geschichte zu studieren. Er war zuletzt im Sommersemester 1938 im 7. und vorletzten Studiensemester inskribiert.
Er war ein engagierter Sozialdemokrat und in den Jahren 1931 bis 1933 gefragter Redner des Verbandes der Sozialistischen Arbeiterjugend und der Jugendgruppe der Marxistischen Studiengemeinschaft und gehörte zu der im Mai 1932 gegründeten Jungsozialistischen Front (gem. m. Leo Kofler und Adolf Kozlik). Er hatte bereits am 25. Februar 1938 zu den Rigorosen angemeldet, hatte auch das erste Rigorosum am 14. März 1938, dem Tag von Hitlers Einzug in Wien, bestanden - dann wurde das Prüfungsverfahren abgebrochen.

Im Sommersemester 1938 wurde er zwar im Rahmen des 2% Numerus clausus für jüdische Studierende noch zum Weiterstudium bis Semesterende zugelassen, er konnte aber sein Studium nicht mehr abschließen und war aus rassistischen Gründen gezwungen, das Studium abzubrechen und die Universität Wien zu verlassen.

Er musste aus Wien fliehen und konnte mit seinen beiden älteren Brüdern Robert (1903–1967) und Hans (1904-?) nach England flüchten, wo Franz und Robert anfangs in Liverpool lebten und arbeiteten: Sein Bruder Hans lebte 1939 noch in London zog dann aber auch bald nach Liverpool und wurde Direktor der Bakelite-Fabrik der Liverpool Plastic Company, in der auch seine Brüder Franz und Robert Arbeit fanden. Am 21. Juni 1940 wurden alle drei als enemy aliens in Mooragh/England interniert und erst nach über einem Jahr am 13. August 1941 wieder freigelassen.
Spätestens ab 1945 lebte Franz Forel in Parkhill Huddersfield Rd., Stalybridge, Cheshire/England, gab als Berufsbezeichnung "Manufacturer" an, und wurde im Juni 1947 britische Staatsbürger.
Die Eltern konnten Wien nicht mehr rechtzeitig verlassen – seine Mutter Hermine Forel, geb. Grüngold wurde am 20. August 1942 aus Wien 2, Grosse Stadtgutgasse 20/12 nach Theresienstadt [Terezín/Tschechische Republik] deportiert, wo sie am 9. April 1944 umkam, der Vater starb kurz nach ihrer Deportation 1942 in Wien.

Franz Forel lebte bis zuletzt in Parkhill Huddersfield Rd., Stalybridge, Cheshire und starb dort am 16. Juli 1972.

Ehrung

Seit 2009 wird an ihn im "Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938" erinnert (online).

Seit 2022 findet sich sein Name auch auf dem "Wenn Namen leuchten | Denkmal für die im Nationalsozialismus vertriebenen Geschichte-Studierenden und -Lehrenden der Universität Wien", im ersten Stock des Hauptgebäudes der Universität.

Archiv der Universität Wien/Nationale PHIL 1935-1938, PHIL Rigorosenakt und-protokoll 14245; www.ancestry.de.

Herbert Posch

Zuletzt aktualisiert am 22.01.2024 - 22:37

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