Winfried Platzgummer, o. Univ.-Prof. Dr. jur.

16.10.1930 – 12.12.2024
geb. in Hofgastein, Österreich

Funktionen

Dekan*in Rechtswissenschaftliche Fakultät 1975/76–1976/77
Rektor Rechtswissenschaftliche Fakultät 1979/80–1980/81

Winfried Platzgummer, Sohn eines Richters am Oberlandesgericht Innsbruck, studierte Rechtswissenschaft an der Universität Innsbruck. Nach der Promotion zum Dr. jur. 1955 war er Universitätsassistent bei dem Strafrechtler Friedrich Nowakowski am Institut für Kriminalwissenschaften sowie 1962 bis 1965 Richteramtsanwärter in Innsbruck. Platzgummer wurde 1964 von seinem Doktorvater Nowakowski im Fach Strafrecht und Kriminologie habilitiert (Habilitationsschrift „Die Bewußtseinsform des Vorsatzes“, 1963). Daneben war er weiterhin für die Tiroler Landesregierung tätig.

Nach einer Gastprofessur an der Universität Göttingen (1965) wurde Winfried Platzgummer 1966/1967 als außerordentlicher Professor für Strafrecht und Strafprozessrecht an die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien berufen und 1968 zum ordentlichen Professor ernannt. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten widmete er sich verschiedensten Bereichen des Strafrechts, des Strafverfahrens sowie der Kriminalpolitik. Sein Lehrbuch „Grundzüge des österreichischen Strafverfahrens“ zeigt den hohen Stellenwert, den Didaktik und Lehre insgesamt für Platzgummer hatte.

Nach Inkrafttreten des UOG 1975, das Institute als kleinste Organisationseinheit der Universitäten einführte, gründete Platzgummer als Ordinarius für Straf- und Strafprozessrecht gemeinsam mit dem neuberufenen Professor für Strafrecht und Kriminologie, Manfred Burgstaller, ein gemeinsames Institut für Strafrecht und Kriminologie.
​Er betätigte er sich auch intensiv in der Universitätspolitik und fungierte in den Studienjahren 1975/1976 und 1976/77 als Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. In dieser Zeit war er auch für die Umsetzung des UOG 1975 auf Fakultätsebene verantwortlich. 1979 bis 1981 amtierte er schließlich als Rektor der Universität Wien. In seiner Funktion als Rektor war er auch Vorstandsmitglied des Universitätsbundes Alma Mater Rudolphina. Nach seiner Amtszeit als Rektor fungierte er zudem als Vorsitzender der Interuniversitären Kommission, die für ausländische Studierende zuständig war, sowie als Präsident des Österreichischen Akademischen Austauschdienstes.

Platzgummer wurde für seine Leistungen mehrfach geehrt, erhielt u.a. 1988 das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich und 1991 die Wiener Ehrenmedaille in Gold.

Winfried Platzgummer wurde 1999 als Professor für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universität Wien emeritiert. Seine Nachfolge trat Wolfgang Brandstetter an, der ab 1981 bereits Assistent bei Platzgummer gewesen war.

Am 12. Dezember 2024 starb Winfried Platzgummer im Alter von 94 Jahren.

Werke (Auswahl)

Die Bewußtseinsform des Vorsatzes. Eine strafrechtsdogmatische Untersuchung auf psychologischer Grundlage, 1964.
Grundzüge des österreichischen Strafverfahrens, 1997.
gem. mit Heinz Mayer und Wolfgang Brandstetter: Untersuchungsausschüsse und Rechtsstaat, 1989.
gem. mit Robert Seiler und Theodor Rittler: Die strafrechtlichen Grenzen des Streiks im öffentlichen Dienst. Drei Rechtsgutachten, 1967.
gem. mit Christian Zolles: Johann Georg Grasel vor Gericht. Die Verhörsprotokolle des Wiener Kriminalgerichts und des Kriegsgerichtes in Wien, 2013.

> Nachruf von Susanne Reindl-Krauskopf (abgerufen am 14.3.2025)

Katharina Kniefacz

Zuletzt aktualisiert am 14.03.2025 - 14:09

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