Josef Barth, Prof. Dr.
Anatom, Chirurg, erster Professor für Augenheilkunde, kaiserlicher Leibaugenarzt, Kunstsammler
Ehrungen
Ehrung | Titel | Datierung | Fakultät | |
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Ehrentafel-Fakultät | 1893 | Medizinische Fakultät |
Die Ehrentafeln der Fakultäten in den Seitenaulen des Hauptgebäudes der Universität Wien wurden am 24. Mai 1893 enthüllt. Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Ehrentafel der Medizinischen Fakultät eine Liste von 33 Namen von berühmten Schülern der Universität Wien, darunter jenen von Josef Barth. Die Liste war für die Fakultät von Prof. August Emil Vogl bzw. im Auftrag des Senats von Universitätsarchivar Karl Schrauf zusammengestellt worden. |
- Medizin
- Augenheilkunde
- Physiologie
- Anatomie
- Medizinische Fakultät
Joseph Barth wurde als unehelicher Sohn des Niccolò Barth und der Maddalena Sciberras (Sceberras) sehr wahrscheinlich am 28. 10. 1746 in Valetta geboren. In der älteren Literatur zu Barth wird als Geburtsdatum der 18.10.1745 angegeben. Dieses Datum wurde lange Zeit immer wieder tradiert und hielt sich eisern. Neuere Forschungen an der Universität Malta zu Barth aus dem Jahre 1982 sprechen allerdings vom Jahre 1746. Barth erlernte zunächst Anatomie und Chirurgie bei MichelʾAngelo Grima im Krankenhaus Sacra Infermeria auf Malta, anschließend sammelte er am Ospedale Santo Spirito in Rom praktische Erfahrungen. Zuletzt kam er auf Betreiben des Kanonikers der Metropolitankathedrale St. Stephan Franz von Smitmer an die Universität Wien. Dort zählten der Protomedicus Gerard van Swieten, der kaiserliche Leibarzt Anton Freiherr von Störck, der Anatom Matthäus Collin und der Geburtshelfer und Physiologe Heinrich Johann Nepomuk Edler von Crantz zu seinen Lehrern und Förderern. 1772 wurde Barth in Wien zum Dr. med. promoviert.
Anatom und erster Lektor für Augenheilkunde in Wien
Barth, der sich bereits während seines Studiums als geschickter Anatom und künstlerisch begabter Zeichner erwiesen hatte, entdeckte rasch sein Interesse für die Augenheilkunde. Nach dem Vorbild des französischen Augenarztes Baron Michael Johann Baptist de Wenzel, der von Gerard van Swieten nach Wien geholt worden war und hier Privatunterricht erteilte, widmete sich Barth vor allem der Operation des Grauen Stars in seiner privaten Praxis. Seine Begabung auf diesem Gebiet veranlasste Erzherzogin Maria Theresia Barth 1773 „in Anbetracht seiner besitzenden besonderen Geschicklichkeit auf die Augen-Krankheiten, Augen-Operationen, und feinere Anatomie als öffentlichen Lehrer in dieser Wissenschaft auf der hiesigen Universität allergnädigst zu ernennen“. Mit seiner Tätigkeit als Lektor war auch die Betreuung der Sammlung anatomischer Präparate, die Gerard van Swieten der Universität Wien geschenkt hatte, verbunden. Ebenso musste Barth im Bedarfsfall Matthäus Collin und dessen anatomische Vorlesungen vertreten. Eine kurz darauf angebotene Professur an der Universität Pavia lehnte Barth ab, stattdessen wurde er 1774 zum Professor für Anatomie und Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien sowie zum kaiserlichen Rat ernannt.
Einer seiner nachhaltigsten medizinischen Erfolge war die Heilung von Kaiser Joseph II. von einer langwierigen, schmerzhaften Augenerkrankung. Daraufhin etablierte Joseph II. für Barth die Sonderstellung eines Leibaugenarztes und stellte Mittel für die Neugestaltung eines Anatomischen Theaters im Erdgeschoß des damaligen Universitätsgebäudes am heutigen Dr.-Ignaz-Seipel-Platz zur Verfügung.
1786 wurde Barth zum Professor für Physiologie und höhere Anatomie ernannt. Gemeinsam mit seinem Prosektor Joseph Ehrenritter, der künftig die „niedere“ Anatomie lehrte, modernisierte Barth das Anatomisch-pathologische Kabinett der Universität, das er auch selbst durch Präparate bereicherte, und hielt regelmäßig Sezierübungen ab. Teils aus eigenen Mitteln, aber auch durch die Überlassung zahlreicher kostbarer medizinisch-chirurgischer Publikationen unterstützte Barth weiters die Gründung einer Fachbibliothek.
Da Joseph II. erkannte, dass es in Wien an geschickten Augenärzten mangelte, beauftragte er Barth 1789, an der Medizinischen Fakultät bzw. der k.k. medizinisch-chirurgischen Josephs-Akademie zwei Augenärzte für den zivilen bzw. militärischen Bereich auszubilden. Dieser Weisung leistete Barth nur mäßig Folge, da er grundsätzlich Konkurrenz fürchtete.
Als 1784 das Allgemeine Krankenhaus in Wien eröffnet wurde, strömten Patient*innen aus der gesamten Habsburgermonarchie nach Wien, um sich von Barth den Grauen Star operieren zu lassen. Barth führte aber auch andere Behandlungen durch. Insbesondere schlecht Sehende oder sogar Blinde suchten ihn auf, in der Hoffnung ihr Augenlicht wiederzuerlangen. Der Zuspruch war so groß, dass bald auch das nach der Aufhebung des Jesuitenordens leerstehende Kollegium, der Kontumazhof am Alsergrund sowie Räumlichkeiten im Spanischen Spital im heutigen 9. Wiener Gemeindebezirk für Operationen zur Verfügung gestellt werden mussten. Seine reichhaltigen Erfahrungen publizierte Barth allerdings in nur wenigen Schriften.
Trotz der Durchführung zahlloser Staroperationen blieb die Augenheilkunde an der Universität Wien unter Barth ein theoretisches Fach. Erst seinem Schüler Joseph Beer sollte 1812 die Gründung der weltweit ersten Augenklinik im Wiener Allgemeinen Krankenhaus gelingen.
Barth als Kunstmäzen und Sonderling
1791 zog sich Barth, der auch Mitglied der Loge „Zur wahren Eintracht“ war, von seiner Funktion als Universitätsprofessor zurück, blieb jedoch kaiserlicher Leibaugenarzt. Fortan widmete er sich insbesondere seinen kunsthistorischen und archäologischen Interessen. Dabei erwarb er mehrere Kunstobjekte, darunter den Torso des Illioneus, welchen er 1814 an das bayerische Königshaus verkaufte. Privat schien Barth ein Sonderling gewesen zu sein, wie der Bibliograf und Schriftsteller Franz Gräffer in den Sonntagsblättern 1843 schilderte: „Doktor Barth, der berühmte Augenarzt, hatte viele Eigenheiten, besonders in seinen letzten Jahren. Da sah man ihn als Sansculotte [ohne Kniebundhose] umher gehen, bloß in einem schwarzen weiten Ueberrok, einer Art Kutte; den Hut ohne Boden. Von unten und von oben freie Luft. In seinem Hause in der Heugasse unterhielt er eine künstliche Hühnerausbrütungs-Anstalt auf egiptische Manier. Da spazierte er mutternakt einher.“ Alexander von Humboldt dagegen, der Barth 1797 in Wien kennenlernte, war von dessen Gelehrsamkeit fasziniert. Mit dem italienischen Bildhauer Antonio Canova verband Barth eine enge Freundschaft.
Sozial engagiert, betreute er nicht nur mittellose Kranke unentgeltlich, sondern nahm auch den später berühmt gewordenen Kupferstecher Thomas Benedetti (1797–1863) als schwerkranken Jungen in sein Haus auf, pflegte ihn gesund, ließ ihm eine gediegene Ausbildung zukommen und setzte ihn als seinen Erben ein.
Ehrungen
1893 wurde Joseph Barth in die Ehrentafel der Medizinischen Fakultät eingetragen. Im 3. Wiener Gemeindebezirk ist die Barthgasse nach ihm benannt, ebenso die Barth Street in Ħamrun auf der Insel Malta.
Werke:
Anfangsgründe der Muskellehre. Wien: Anton Gassler, 1786.
Etwas über die Ausziehung des grauen Staares für den geübten Operateur. Wien: Ignaz Alberti 1797.
Josef Barth's Muskellehre nach den zwey Hauptverhältnissen ihrer Lage und Verbindung untereinander, wie auch nach ihren allgemeinen und besonderen Verrichtungen. Wien: Johann Georg Binz, 2. Auflage 1819.
Sterbebuch Pfarre St. Karl Borromäus (abgerufen am 4.3.2025).
Archiv der Universität Wien, Akten der Medizinischen Fakultät, Fasc. 1 No 2, Regist. Nr. 132.
Archiv der Universität Wien, CA 1.2.133 Ernennung Joseph Barths zum Professor der Augenheilkunde, 1773.10.23–1773.11.02.
Archiv der Universität Wien, CA 1.2.141 Bestimmungen über die Wahl der Dekane und die Stellung der Professoren innerhalb der Fakultäten., 1774.11.12–1774.11.25.
Archiv der Universität Wien, CA 1.2.243 Neue Einteilung der Lehrämter an der Medizinischen Fakultät., 1786.11.02–1786.11.06.
Zuletzt aktualisiert am 24.03.2025 - 14:53